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Die Gegenwartsantwort


The logo rules. Nicht mal im alten Aegypten gab es wohl eine solche Herrschaft des Zeichens wie heute. «Marken», «brands» organisieren das Leben. Marken lenken die gewaltigsten Kapitalströme, ja Währungen sind nichts anderes als «brands». «Können die USA die Marke «Dollar» im Vertrauen der Weltwirtschaft wieder verankern?»

Die Marken werden intensiver erlebt als die Produkte. Und diese machtvollen Zeichen werden den Menschen spielerisch zur Teilhabe angeboten. Indem Mann und Frau die Gucci-Brille tragen, gehen sie spielerisch mit der Markenmagie um. Jeder ein Zauberer mit Zeichen: VW, Hitachi, Versace, Aldi, @, €.

Nur leider stehen diese Zauberzeichen in einer Hierarchie; und von der geht eine fast unwiderlegbare Botschaft aus: «Diese Welt der Geistigkeit der Zeichen, die ihr so liebt, ist ihrem inneren Wesen nach etwas Wirtschaftliches. Geist, das ist das, was unser Verhältnis zu den Wirtschaftsgütern organisiert und artikuliert. Das eigentliche, also das «höchste» Ziel des Umgangs mit geistigen Kräften ist die Zufriedenstellung durch materielle Produkte und produktähnliche Dienstleistungen.»

Die Zeichen, die den Alltag besetzt halten, sagen: «Eine eigentliche Geistwelt gibt es nicht. Geist in Form und Substanz, als ‹Sinn› und ‹Magie›, ist nur wirklich in der Wirtschaftswelt, und in der Rechtswelt.»

Für Kinderseelen schlagen sich solche Botschaften zum Zeichenzauber auch in Neo-Mythen wie Harry Potter nieder: Wir wollen alle «zaubern lernen» – für die denkbar spiessigsten Ziele: Alle feiern Pseudo-Weihnachten mit Dumbledores netter Salonmagie und am Ende zieht Harry mit Ehefrau ins Reihenhaus, die Kinder gehen auf die neue Zauber-Regelschule und von Neun bis Fünf arbeiten wir im Zauberministerium ( ... und im Zaubersupermarkt gibts wahrscheinlich Zauberrabattmarken!)

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Warum nicht Logos in den Alltag pflanzen, die für rein geistige Wirklichkeiten und Wirkensmächte, für das Geistig-Aktuale stehen? Spielerisch und ernsthaft – Kunst braucht beides, auch Sozialkunst. Nur nicht so gravitätisch, so heilig, so: – zweckhaft!
Auch Götter «planen» nicht, sie spielen ernsthaft, sie machen das ganz Ernste spielerisch. (So zu tun rät deshalb auch das ‹Hagakure› dem Samurai.)

Warum soll den Menschen nicht allenthalben ein bischen echte Sonnensprache entgegenblitzen, so wie es früher in den religiösen Zeiten ja auch war?

Die allgegenwärtige, auf ihre Art ja glanzvolle, ein bischen Ork-hafte Sonnensprache der kommerziellen Logos verträgt schon ein bischen Konkurrenz – Konkurrenz einer anderen Geistigkeit, die ebenso bereit ist, den Alltag (zurück-) zu erobern.