Texte


52 Umstülpungen

Die Zeichnungen erzählen Geschichten. Sie sind Text, der «gelesen» werden soll, so wie beispielsweise Zeichnungen in einem Biologiebuch, die die Embryonalentwicklung «erzählen». Da liest man aus den Zeichnungen ab, wie Organe entstehen, andere sich zurückbilden und dergleichen mehr.
Die typische Form-Geschichte ist eine «Umstülpung»:
Dominantes wird Dienendes, Dienendes übernimt die Führung, Innen und Aussen tauschen ihre Rolle.
Wenn es ein Vorher und ein Nachher gibt und den Krisenmoment, den Nullpunkt: wenn etwas von der Form endgültig gelöscht wird und etwas bisher Ungeformtes neu auftaucht, haben wir eine Geschichte, eine Entwicklung.
Wirklich gehaltvoll wird eine solche Entwicklung, wenn sie eine Inversion enthält:
Aussenliegendes wird verinnerlicht, Inneres wird Aussenwelt; Linienhaftes wird Fläche, Körper werden zu Strahlen; Nebensächliches wird Zentrales, Zentrales verwandelt sich in Hintergründiges.
Man nennt diese Formgeschehen Umstülpung, weil es nicht um eine blosse Veränderung geht, sondern um die Umwandlung eines Formprinzips in sein Gegenteil, sein Gegenstück. Eine blosse Veränderung ersetzt ja nur das Bisherige, löscht es nur aus. Eine Umstülpung aber steigert das Bisherige, indem sie es mit dem zu ihm gehörigen Gegenteil und Gegenstück, mit seinem Gegenpol in ein umfassenderes Ganzes integriert.

Wichtig ist, auf den zunächst noch ganz zarten Gefühlsumschwung aufmerksam zu werden, der sich beim Übergang zur andern Form ergibt. Damit beginnt das Lesen.

Man braucht zunächst nicht zu ergrübeln oder zu «wissen», was die einzelnen Formen «bedeuten»: Das Wichtigste hat man, wenn man den Erzählstrom erlebt,. Der Erzählstrom stellt alle Einzelheiten an ihren Platz. Dann interpretiert das Ganze die Teile. Und das ist immer die beste Deutung.

Hier sind beispielsweise die Hauptumstülpungen für alle Formen aufgelistet:

1 Violett mit der grünen Aura (die Sonne) strahlt ihre kosmische Weite in die rot-blaue Schale, die Menschenseele.
Rot-Blau, aus dem Inneren des Menschen, zieht schwankend in die Weiten, zu dem Zukunftsbild, in dem Grün und Violett dabei sind, sich zu einer neuen Sonne zu vereinen.

2 Violett, die Gedankenkraft, verströmt sich in die Peripherie.
Nach der Begegnung mit Gelb strömt sie erkraftet zum Zentrum zurück, überkreuzend Mittelpunkte bildend.

3 Aus dem Zentrum schleudert sich mit Gewalt das Blaue heraus, hochdynamisch.
Aus dem Umkreis umfasst das Blau die Welt wie ein reifendes Ei in Ruhe und Stille.

4 Gelb: der weite Kosmos.
Grün: das Gegenbild, die gleiche Form in sich, in einem Punkt zusammengezogen.
Das Vermittelnde, Umstülpende: Rot.

5 Der ausstrahlende Punkt, das Kreuz, aus der Tiefe.
Der siebenfach knospende Umkreis in den Weiten
Zwischen beiden erscheint die Seele in drei Farben.

6 In Winkeln und Geraden baut sich aus einem Punkt ein weltengroßer Sechsstern auf.
Alles wird rund. Das Mittelpunktsgebilde ist das klare Zentrum in einer verwehenden Welt.

7 Zwei Gegensätze:

I. Das Konvexe, strotzende, gelbe Welten-Ich.
Das Konkave, "auslaufende", violette Selbst.

II. Das winklige, magere, grüne Denken.
Die runde, strömende, blaue Ahnung.

8 Von unten: Das Grün, das über die Sinne das Denken flach zusammendrückt (und das eckige, unpersönliche Rot).
Von oben: Das schwingende, knospende, aufmerksame Rot, das in den geweiteten, leeren grünen Raum (das sind die zur Ruhe gebrachten Gedanken) einzieht.

9 Blau: das Opfer.
Rot: die Opferforderung ("Altar").
Durch den Vollzug des Opfers werden die einander entgegengesetzten halbierten Kreuze zu einem großen Kreuz vereinigt.

10 Die Erfahrung in den Raumesweiten, nach oben: Ich fühle den Gott.
Die Ahnung im Innern, nach unten: Der Gott fühlt mich.

11 Aussenwelt (blau) und Innenwelt (rot) sind getrennte Sphären. Beobachtend stehst "du" (grün) ihnen gegenüber, zwischen ihnen pendelnd.
Aussen- und Innenwelt sind eins. Auch "du" bist eins mit ihnen und zugleich mehr bei dir.

12 Grün, mit neun herausdrängenden Knospenformen erfüllt, weitet sich zur Welt, dem Regenbogen im Umkreis – der ist zentriert um das Grün (Rot Gelb – Blau Violett).
Grün hat in sich aufgenommen die Welt, den Regenbogen – der ist jetzt zentriert um Magenta (Gelb Rot – Magenta – Violett Blau).

13 Im Rot (der Menschenseele) kündigt sich keimhaft die Geist-Polarität an.
In der entfalteten Geistpolarität ahmt die rote Menschenseele deren Gesten nach.


14 Die blauen Sinneskräfte dominieren die roten Denkkräfte.
Die Roten bändigen die Blauen.

15 Aus tastenden Linien...
...werden kraftende Farbflächen.

16 Rot folgt Grün und Violett.
Grün und Violett beheimaten sich in Rot.

17 Violett und Orange dringen und drängen ins Grün.
Sie kommen im Grün zu sich und zur Ruhe.

18 Rot-Gelb im ruhenden Blau.
Blau eindringend in Rot, aktiv in Gelb und Rot.

19 Grün, passiv, unten, draussen, abwartend, wird vom Rot im Innern beeinflusst.
Das aktive Grün im Innern vom Rot und Blau.

20 Liegend die grüne Acht, die rote und die blaue Acht vor ihr zurückscheuend.
Stehend die grüne Acht, getragen von der roten, geschützt von der blauen.

21 Klein: Rot – Gross: Blau-Grün
Einmal ist der eine, einmal alle zusammen aktiv.
Alle gleich klein.
Einmal die beiden, einmal alle zusammen aktiv.

22 Das weite Rot zieht ein ins zentrierte Grün.
Keimhaft drängt das Rot im Grün in die Weite.

23 Klein: Rotgrün (das sinnliche Interesse) ist unempfänglich für das Spiel da draussen von Violett-Trüb-Orange.
Gross: Rotgrün nimmt mit intensiver Zuwendung vom vergehenden Violett-Trüb-Orange einen Substanztropfen in sein Inneres auf.

24 Grün, sich in sich befestigend. Blau und Rot schauen mehr oder weniger vom Umkreis aus zu.
Blau taucht in die sich weitende Grünsphäre ein; Rot erweckt verwandelnd das Zentrum der Grünaktivität. Grün kann sich nun von der Selbsterschaffung ab und der Welt zuwenden.

25 Blau, sich selbst genügend, zwischen gleichgültigen Weltenkräften.
Blau, in einer erwachenden Welt, souverän zugewandte, schenkende Zentralkraft.

26 Grün ist die mit Anstrengung gerade sich einmal behauptende Zentralkraft.
Grün, seine Steigerung in sich tragend, wird von der ganzen Welt hingebungsvoll unterstützt.
*     *     *
27 In kreisenden, wellenden Bewegungen erfasst sich das Rot (Ich) nach unten.
In strahlartiger Aktion erfasst sich das Rot nach oben.

28 Das Ich erfasst sich als Zentralkraft (violett) und als Umkreis-Erheller (orange-rot).
Als Umkreis-Erheller heilt es die Erkrankung des Zentrums; als Zentralkraft heilt es die Erkrankung des Umkreises.

29 Das symmetrisch linear Fliessende...
...wird substanzhaft-körperlich Ruhend-Lastendes.

30 Zweimal verwandelt sich eine aufstrebende, kindliche, umweltorientierte Dreigestalt...
...in eine in sich gesammelte Vier- beziehungsweise Doppelgestalt.

31 Schlangenlinienhaft Strömendes...
...wird immer flächenhaft-machtvoller, von Tiefenkräften umblitzt.

32 Aus einem hohlen, winzigen Rot im Kraftgefüge der Umwelt...
...wird eine Vierer-Macht, der die Weltenkräfte zuarbeiten.

33 Die graue Welt, die von Gelb-Blau erfühlt wird...
...kriecht sterbend in den Innenraum der Menschenseele (gelb-blau).
34 Das erwachende Violett im Innern...
...wird gestaltende Kraft von aussen.

und das passiv hüllende Rot...
...wird kindliche Gotteskraft im Innern.

35 Einwickeln in Blau-Violett.
Auswickeln in Rot-Grün.

36 Die substanzielle Acht, keimhaft ausstrahlend...
...bleibt als ausgebrannte Asche zurück, an die mächtig angewachsenen Prozesse um sie herum hingeopfert.

37 Die erste bescheidene Lichtgeste von unten...
...löst stetig anwachsende Vergöttlichungsvorgänge durch die große Drei im weitesten Umkreis aus.

38 Erst ist der Fünfstern nur eine Ahnung im Schoss der umgebenden liebevollen Kräfte.
Dann tritt er auf und erobert, seine Wiege verlassend, gleich die ganze Welt.

39 Der grosse Siebenstern im Kosmos wird in schwingenden Bewegungen...
...zum kleinen, umgekehrten Siebenstern im Menschen.

40 1. Umstülpung in einem Bild: Das verwehende gelbe Wahn-Ich und seine Begleiter...
...werden vom Weltenwort in eine wesenhafte Form umgestülpt.

41 2. Umstülpung in einem Bild: Aus dem mächtigen Blau-Rot-Puls, im Rhythmus von Selbstverdichtung nach unten und Umkreisdurchströmung nach oben (Herz und Kreislauf)...
...steigt der grüne Äthervogel in schwebender Ruhe auf.

42 3. Umstülpung in einem Bild: Die finstere, kraftvolle, schönheitslose Zentralform...
...wird zu den egoistisch ausstrahlenden Rotformen...
...und dann zu den hingegebenen, passiv-offenen Grünformen.

43 4. Umstülpung in einem Bild: Die noch dunklen, gestaltlosen, von der Zwei geprägten aufsteigenden Violett-Blau-Elemente...
...werden hell, Rot-Orange, von der Drei geprägt und bekommen im hellsten, obersten Element machtvolle Form.
Der Magenta-Schmetterling umfasst diese Umstülpung farblich und formhaft souverän.

44 Bild1- Bild4: Der grüne Sinnesreiz umfasst das klare graue Auge recht eng. Umkreisend hält das rote Denken den Reiz unter Kontrolle.
Die rote Denkkraft fasst die klaren grauen Augen noch enger. Der grüne Sinnesreiz ist jetzt ganz in seinem Gefolge.
Dazwischen sehen wir einmal das Pendel ganz zum Denken ausschlagen, dann ganz zur Wahrnehmung.

45 Aus dem blauen geistigen Wahrnehmungsorgan über der Nasenwurzel sprossen unternehmungslustige ungebändige orangefarbene Gedanken.
Im blauen sinnlichen Wahrnehmungsorgan der Augen ermöglichen die orangefarbenen Gedanken, nun ganz diszipliniert, das achtsame (geistdurchtränkte) Wahrnehmen.

46 Das übermächtige Doppelblau will das noch keimende Doppelrot zusammendrücken.
Die Roten haben die Blauen in ihren Dienst gestellt.
Geholfen hat die Blauform in der Aura, die "Erinnerung".

47 Umstülpung vor allem im Bezug zum anderen Werdelust-Spruch 50: In 47 erdrückt die violette Spirale kosmischer Kraft die drei menschlichen Seelenformen beinahe.
In 50 hat die Spirale mit der mittleren Menschenform die Farbe getauscht. Die Spirale ist jetzt grün, die mittlere Menschenform violett. Statt von aussen zu drücken, will sie stärkende Innenkraft sein.
Umstülpung im Bild selbst: Die Spirale ist Weltenkraft, die ihren Wesenskern nicht in sich hat – stark aber wesenlos.
"Meine" Kräfte haben ihr wesenhaftes in sich, aber sie sind schwach.
48 Der Fokus ist ganz auf dem Blau, der großen, umfassenden Form. Das Rote wirkt fast wie eine kleine Entstellung der souveränen Blauform.
Alles dreht sich um die winzigen roten Zentren.

49 Die Weltennacht, dunkel, alt, fest, fertig, macht eine einfache und monumentale Erwartungsgeste.
Der Umstülpungszustand der Nacht, der Tag kündigt sich als noch unbestimmt herauf dämmerndes Morgenrot an.
Dazwischen der Mensch, nachtverwandt in seiner Gedankenklarheit, tagverwandt mit seinem Hoffnungsstrahlen.
50 Die hauptsächliche Umstülpung ist beschrieben in 47.
Die Umstülpung im Bilde selbst: Die Spirale in ihrer Zweigestalt bekommt Ähnlichkeit mit einer ; dadurch wird sie wesenhaft. Sie bildet Kern.
Die umgebenden passiv-selbstgewissen Formen verlieren beinahe ihre - Gestalt.

51 Die blaue wie die rote Kraft ziehen mit einem Wachheitsimpuls in das grüne Auge ein.
Blau und Grün ziehen mit einem Kraftimpuls aus dem grünen Auge aus.
52 So klein: In den Tiefen öffnet sich Blau (als T) mit seinen beiden Begleitern Grün und Orange für die Höhen.
So gross: Aus den Himmelsfernen zieht Blau mit seinen Begleitern Grün und Orange wie ein riesiges T auf die drei kleinen T in den Tiefen nieder.